Finissage & Podcast

Fotoausstellung 25 Jahre Mauerpark

Fünf Fotograf*innen blicken auf den ehemaligen Todesstreifen

25 Jahre nach Eröffnung des Mauerparks zeigt eine Fotoausstellung das neue Leben auf dem ehemaligen Todesstreifen. Früher Stacheldraht, heute pure Lebensfreude zwischen Karaoke, Street Food, Künstlern, Straßenmusik und Flohmarkt.

Die fotografischen Arbeiten verbindet ein persönlicher Blick auf den Mauerpark, jedoch nicht losgelöst von aktuellen Zusammenhängen: Wem gehört eigentlich der Park? Ihm gilt die aufmerksame, liebevolle, ironische und kritische Ansicht. Die Fotografin und Fotografen dokumentieren darüber hinaus den ständigen Wandel, dem der Park durch Bauarbeiten, Tourismus und Anwohnernutzung unterliegt. Eine gelungene Mischung aus Street Photography, Stadtlandschaften und Dokumentation über die gängigen Klischees hinaus, entgegen dem üblichen Berliner Parkbashings.

Im Kiezbüro des Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar (Bündnis ’90/Grüne) sollte eigentlich die Finissage am 23. April 2020 stattfinden. Leider hat uns das Coronavirus alles durcheinander gewirbelt. Ausstellungen können nicht stattfinden, Veranstaltungen werden abgesagt und uns Fotografen bleibt nur noch die Flucht ins Internet. Mit diesem Format „Finissage & Podcast“ geben wir der Ausstellung ein würdiges Ende in besonderen Zeiten.

 

Mein Gespräch mit Alexander Puell, Hartmut Bräunlich und Friederike Kronauer

 

Alexander Puell

Der Mauerpark ist sowohl ein wichtiger Erinnerungsort der deutschen Geschichte als auch eine leben­dige Vision einer multikulturellen Zukunft.

Der ehemalige Todessteifen, der die Menschen gewaltsam voneinander trennte, wurde durch das un­ermüdliche Engagement seiner Nutzer zum Freiraum und Ort der Begegnung.

In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und bedrohlich wachsendem Nationalismus ist aber auch der Mauerpark in Gefahr.

>> Freiheit, Mitbestimmung, anders denken und leben dürfen. <<

Diesen Freiraum portraitieren meine Bilder – für diesen Freiraum setze ich mich im Mauerpark ein.

Im Westen geboren, lebe ich nun schon über 20 Jahre im Osten der Republik.

Berlin bietet mit seiner Vielfalt eine atemberaubende Basis für eine Entwicklung fern der sichtbaren wie unsichtbaren Grenzen.

Als Fotograf und Designer gestalte ich täglich kleine und große Flecken in der visuellen Welt des In­ternets.
Als Familienvater und Nachbar knüpfe ich reale Projekte und Synergien zwischen den Menschen im Mauerpark.

alexpuell.com

 

Peter Kagerer

Geboren 1970 in Würzburg. Studium der Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Fotografie in Berlin und Potsdam. Fotografische Vertiefung u. a. an der Ostkreuzschule für Foto­grafie, UdK – Universität der Künste Berlin, Gesellschaft für humanistische Fotografie, Lette Verein, Neue Schule für Fotografie und dem bbk Berlin. Zusatzqualifikationen als zertifizierter Kurator runden sein Berufsbild ab.

Seine Wahrnehmung auf Reisen und die Offenheit für den Augenblick ist sein Material, das er in diffe­renzierten künstlerischen und dokumentarischen Positionen festhält.

Seine fotografischen Arbeiten als bildender Künstler sind noch durch analoge Fotografie und Dunkel­kammer geprägt. Digitale Fotografie ist für ihn ein echter „Befreiungsschlag“ im freien, schnellen und konzeptuellen Arbeiten. Er verwendet keine digital-manipulativen Verfahren, sondern vorwiegend hap­tische Methoden wie die Collage oder das Foto im Foto, um seine Grundthemen Raum und Identität in Natur, Landschaft und Urbanität darzustellen.

Dem Mauerpark begegnet Peter Kagerer mit dem Genre der progressiven Street Photography und unter dem Motto: „Erst wenn der letzte Club geschlossen, der letzte Park befriedet und der letzte Straßenmusiker vertrieben wurde, werdet ihr merken, dass Berlin zu dem Scheißkaff geworden ist, aus dem ihr geflohen seid.“

peterkagerer.de                                                                    

 

Hartmut Bräunlich

Seit Anfang 1985 Anwohner auf der Weddinger Seite des Mauerparks.
Seit vielen Jahren ist der Mauerpark für mich einer der wichtigsten Orte Berlins.

Der Ort, wo einst Ost und West getrennt war, wurde zu einem Ort der Begegnungen.
Seit Jahrzehnten begleite ich den Park mit meiner Kamera.

Hartmut hat uns freundlicherweise das Beitragsbild „Mein Schatz“ zur Verfügung gestellt.

fotocommunity.de/user_photos/448033

 

 

Friederike Kronauer

Ich habe auf Reisen angefangen zu fotografieren und habe zuerst v. a. Blumen aufgenommen.

Später habe ich angefangen, auch Menschen auf der Straße zu fotografieren und dann bei Freunden zu Hause, die ich unterwegs kennengelernt habe.

Als ich eine Kamera hatte, die nicht nur automatisch war, habe ich mir auch die direkte Umgebung noch besser erschlossen. Weil es in Deutschland aus vielen Gründen doch um einiges schwieriger ist, Leute auf der Straße zu fotografieren als in anderen Ländern, habe ich mich zuerst auf die Natur kon­zentriert, bis ich den Mauerpark und Musik und Tanz entdeckt habe.

Das hat angefangen, als ich das Duo Puto Production (Miguel Lagos und Damian Blanco) 2013 beim Karneval der Kulturen gehört habe. Danach habe ich sie – durch Zufall – im Mauerpark angetroffen und bin daraufhin immer wieder hingefahren, um die Musiker und das Publikum zu fotografieren. Mittler­weile kenne ich viele der “Stammgäste” ebenso wie eine Reihe anderer Bands und Musiker.

Was mir wichtig ist: die Musik, die Atmosphäre, die Energie, die Emotion … das ist einfach unwider­stehlich!

Ursprünglich komme ich aus Aachen und bin nach Studium in Bonn und 2 Jahren in China schließlich vor über 10 Jahren in Berlin gelandet, hier arbeite ich als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache.

friederikekronauer.wordpress.com

 

Wilfried Schröder

Geboren 1945 in Warnemünde. Im Anschluss an das Bildhauerstudium an der Kunsthochschule Wei­ßensee ist er als freischaffender Künstler in Kühlungsborn tätig und seit 1979 Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Ludwig Engelhardt. Bereits seit 1964 Einzelausstellungen und ab 1970 Vertretungen durch Galerien in Rostock und Ahrenshoop.

„Was ich sehe, ist, was ich verliere. Zeichnung, Skulptur und Foto sind mein externes Gedächtnis.“

Wilfried Schröders Jahre in Berlin waren geprägt von Ausweiskontrollen, so nah an der Mauer. Doch dann, es war wie plötzlich, gleich Anfang 1990, ging er durch alle Mauern hindurch. Es entstanden Fotos. Mitunter mit einem Nachklang eines Gefühls, noch etwas Verbotenes zu tun; und einem Neu­klang, dem der Befreiung.

Er lebt in Kühlungsborn.

schroeder-bildhauer.de

Bilder folgen …

 

Die Ausstellung wurde bis auf weiteres verlängert …

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s