Charlotte zu Kappenstein

Zum ersten Mal traf ich Charlotte zu Kappenstein kurz nachdem das Stadtteilbuch Karlshorst herauskam und wir, die fertigen Fotografen (mein Blog, hier wird nicht rumgegendert) mit akademischem Segen unsere Ausstellung im Kulturhaus Karlshorst präsentierten. Nee, nee, so geht das nicht. Korrekt ist natürlich Fotograf*innen. Aber was mache ich mit der männlichen Mehrzahl von Fotograf? Außerdem ist der erste Satz geklaut: „Zum ersten Mal traf ich Neal, kurz nachdem …“ von Jack Kerouac aus „Unterwegs“ von 1957. Es hat sowas intellektuelles, mit Weltliteratur zu beginnen …

Also nochmal von vorn:

„Sie schickt der Himmel!“ schmettert mir eine schlanke, elegant gekleidete Dame entgegen. Ruckartig, wohlerzogen und mit preußischem Gehorsam stehe ich auf und begrüße sie freundlich. Hätte ich nicht Turnschuhe getragen, hätte man das Zusammenschlagen meiner Hacken gehört. Wer Frau zu Kappenstein begegnet, ist erstmal ruhig. Sie lud mich als Gastredner zu ihrer Talkshow „Berliner Trüffel“ ein, um das Stadtteilbuch zu besprechen. Auf die Frage warum ich, wurde sehr schnell klar, sie hat mich schon gegoogelt und es kam keiner der anderen fotografierenden Studierenden (geht doch) in Frage. Sie verabschiedete sich mit: „Na hör‘ mal, dich schickt doch der Himmel!“.

Zu unserem Fototermin erschien Charlotte zu Kappenstein selbstverständlich pünktlich, chic gekleidet und wieder mit einem unwiderstehlichen Lächeln. Wer viel lächelt, hat keine Zeit für Krankheiten, sagt sie und fängt an, den Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes mit einem feinen Spitzentuch zu putzen (siehe Bilder). Die Kunst ist frei. Wer sich heute als Dame in Form von guter Kleidung zu erkennen gibt, fällt übrigens in die Kategorie „advanced style“. Oder anders formuliert, ein gelber Regenmantel macht noch keine Revolution. In Oberhausen geboren und mit dem Titel einer Betriebswirtin ausgestattet ist sie über Düsseldorf (das ist am Rhein, irgendwo bei Köln) nach Berlin bei Spandau, zu uns gekommen. Sie bezeichnet es gerne noch als Fehlstart, weil sie jetzt jeden Tag von Spandau nach Berlin fahren muss um nachzuschauen, ob Berlin noch da ist. Ich traute mich kaum, für das Interview nach dem Alter zu fragen. Die Antwort „schon ziemlich über 30, aber noch deutlich unter 100“ erspart uns Details. Gern macht sie es am Verschwinden der Montanindustrie im Ruhrpott fest. Nach Berlin kam sie wegen der Kultur und der Natur (!). Man höre und staune, aber Berlin ist tatsächlich eine der grünsten Großstädte Europas, wenn das Grünflächenamt nicht gerade wieder … aber lassen wir das.

Mit Talkshows, Kabarett, Moderation und Lesungen begann sie 2011 und ist bis heute ohne absehbares Ende als „Lachfaltenpflegerin“ mit enorm viel Humor und Ironie für uns da. Neu hinzu kam der Podcast „Berliner Schätzchen“. Alles nach dem Motto: „Seien Sie froh, dass Sie mich haben.“

Charlotte zu Kappenstein

2 Gedanken zu “Charlotte zu Kappenstein

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